suburbia |

Ansichten der Ausstellung suburbia in der Städtischen Galerie Kaarst im Rathaus Büttgen, Rathausplatz 23, Kaarst

21. März bis 16. April 2003 

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In den 60er Jahren begann für uns das mediale Zeitalter.

Via Fernsehen hielten die Helden und Heldinnen der Traumfabrik Hollywoods – Entwürfe männlicher Produzenten und Regisseure – Einzug in die deutschen Wohnzimmer.

Marshall MacLuhan konstatierte schon in den 1950er Jahren, dass durch die Medien das konkrete öffentliche Denken und Bewusstsein manipuliert, ausgebeutet und kontrolliert werden kann. Die 1960er Jahre waren die Aera des sich konsolidierenden Wirtschaftswachstums. Es war der Übergang der Nachkriegszeit in die 68er Aera. Die Menschen waren damit beschäftigt, den Klerikalfaschismus verdrängend, ihren neu erworbenen Wohlstand zu genießen.

Vorbilder, Ideale, Utopien gab es nicht. Diese entpolitisierte Zeit verlangte auch ein neues Frauenbild. Es wurde, in zuvor nie dagewesener Weise, via Fernsehen direkt aus der amerikanischen Traumfabrik in die deutschen Wohnzimmer gebeamt. Vorbilder waren jetzt die gepflegten, adretten, jungen hochtoupierten Projektionen der amerikanischen Fernsehgestalter. Fernsehen schuf neue Rollen – Bilder. Die Bonbon-farbenen Utopien hielten Einzug in die Kinderzimmer.

Wie in früheren Arbeiten thematisiert Annette Wirtz auch in „suburbia“ die Frage nach der weiblichen Identität, nach den Ursprüngen des Lebensentwurfs. Sie entnimmt Bilder der Medien jener Zeit und setzt sie malerisch umgesetzten Fotos gegenüber. Hierbei bedient sie sich der klassischen Porträtmalerei und trägt die Farbe Schicht für Schicht auf. Somit verfremdet sie. Realität und Fiktion gehen eine Symbiose ein.

Bilder wie „Trockenhaube“ und „Stadtbadglamour“ zeigen das Schönheitsideal der Frau der 60er Jahre. Die Vermischung und der Einfluss der Fernsehbilder auf die eigene Wirklichkeit wird deutlich in dem Bild „Kindfrauen“. Jeannie – symbolisiert durch die Kugeln – durchdringt Schicht für Schicht das eigene ich. Hier die blonde Verführerin – als kindlich naive Unschuld im Kinderwagen – dort das Kind, das gleichsam schon Frau ist.

Über allem der Mond der Vorstadt. Der gute alte Mann im Mond wurde abgelöst durch das reale Ereignis der Landung Armstrongs auf dem Mond – zugleich das erste globale Medienspektakel. Den Portraits von Little Joe und Mr. Spock sind die Kinderfotografien wie Filmsequenzen nebengestellt. Die schwarz-weiße Kindheit erhält Schicht für Schicht den Bonbon-farbenen Anstrich der Traumfabrik. Realität und Fiktion vermischen sich – die Realität wird überlagert. Doch es ist alles nur schein. Zuflucht findet das kind nur in seinem eigenen „Traumhaus“, zurückgezogen mit dem Schlummerle, die Erwachsenen sind ausgeschlossen.

Rosina Fuchs, 2003

The heroes and heroines of Hollywood’s dream factory – designs by male producers and directors – found their way into German living rooms via television.

Marshall MacLuhan stated as early as the 1950s that concrete public thinking and consciousness can be manipulated, exploited and controlled through the media. The 1960s were the era of consolidating economic growth. It was the transition from the post-war period into the ’68 era. People were busy enjoying their newfound prosperity by pushing out clerical fascism.

There were no role models, ideals, or utopias. This depoliticized time also required a new image of women. In a way never seen before, it was beamed directly from the American dream factory into German living rooms via television. The models were now the well-groomed, neat, young, highly teased projections of American television designers. Television created new roles – images. The candy-colored utopias found their way into children’s rooms.

As in her earlier works, in „suburbia“ Annette Wirtz also addresses the question of female identity and the origins of one’s life plan. She takes images from the media of that time and juxtaposes them with picturesque photos. She uses classic portrait painting and applies the paint layer by layer. Thus it alienates. Reality and fiction enter into a symbiosis.

Pictures like “Dry Hood” and “Stadtbadglamour” show the beauty ideal of women in the 1960s. The mixing and influence of television images on one’s own reality becomes clear in the picture „Child Women“. Jeannie – symbolized by the balls – penetrates her own self layer by layer. Here the blonde seductress – as a childlike naive innocence in the stroller – there the child , who is already a woman, so to speak.

Above all, the moon of suburbia. The good old man in the moon was replaced by the real event of Armstrong’s landing on the moon – also the first global media spectacle. The children’s photographs are juxtaposed with the portraits of Little Joe and Mr. Spock like film sequences. The black and white childhood is given the candy-colored paint of the dream factory, layer by layer. Reality and fiction mix – reality is superimposed. But it’s all just an illusion. The child only finds refuge in his own “dream house”, secluded with his slumber, adults are excluded.

Rosina Fuchs, 2003

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